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  • Empfehlung zur Dokumentation von Schlerleistungen im zieldifferenten Unterricht

    -ENTWURF-

    Hohnstein Elke (Hrsg). Empfehlung wurde erstellt in Seminaren zum GU von Studentinnen und Studenten der Universitt Erfurt (Grund- und Frderschulen). Erfurt 2015

  • Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung 2 Lernentwicklungsgesprche 3 Bildungs- und Lerngeschichten 4 Leporello 5 Lernlandkarte 6 Lerntagebuch 7 Lernraupe 8 Portfolio

  • 1 Einleitung Die Fachgruppe Praxis im gemeinsamen Unterricht (GU) hat bereits 2013 die Empfehlungen zur didaktisch- methodischen Gestaltung eines zieldifferenten Unterrichts in Grund- und Regelschulen erstellt und diese im Rahmen des Thringer Bildungssymposiums den Grund, Regel- und Frderschulpdagogen vorgestellt. Nach der Vorstellung und Diskussion wurde der Wunsch geuert, eine Empfehlung zu Dokumentationsmglichkeiten von Schlerleistungen zu erstellen. Grund ist, dass individuelles Lernen einzelner Schler eine immer grere Rolle im GU spielt. Hier mssen unterschiedliche Schulbildungsgnge (mit verschiedenen Lehrplnen fr die Bildungsgnge Grundschule, Lernfrderung, zur individuellen Lebensbewltigung, Regelschule, Gymnasium) bercksichtigt werden, was zum Begriff des zieldifferenten Lernens fhrt. In heterogen zusammengesetzten Gruppen im zieldifferenten Unterricht knnen Lernprozesse von Schlern spter oder frher beginnen, langsamer oder schneller verlaufen bzw. stagnieren (vgl. Fachgruppe Praxis im GU 2013, 6). Wenn Lernprozesse von Schlern in einer Klasse unterschiedlich verlaufen, dann mssen auch deren Lernwege und Lernleistungen unterschiedlich dargestellt werden. Die jeweiligen Voraussetzungen der Schler, wie unterschiedliche Altersgruppen, Interessen, Vorerfahrungen, Fhigkeiten im Lesen und Schreiben, Umweltkenntnisse u.a., mssen bercksichtigt werden. Somit ergibt sich fr den Pdagogen die Frage: Wie knnen unterschiedliche Lernprozesse und -leistungen von Schlern visualisiert

    und strukturiert werden?

    In der hier vorliegenden Empfehlung soll durch die Vorstellung ausgewhlter Dokumentationsmglichkeiten von Lernleistungen und Lernprozessen diese Frage beantwortet werden:

    Abb.1 : Ausgewhlte Mglichkeiten der Dokumentation von Schlerleistungen

    Dokumentation von

    Schlerleistungen

    Lernland-karte

    Lerntage-buch

    Portfolio

    FrderplanEntwick-lungsplan

    TagesplanWochen-

    plan

    Lernampel

    Bildungs-und Lern-

    ge-schichten

  • Jeder Schler kann sich aktiv mit den Problemen und Herausforderungen eines Lernangebotes auseinandersetzen. Individuelles Lernen lsst eigene Lernwege und auch Fehler zu (vgl. Eller/ Grimm 2008, 19 f.). Fehler sind primr Indikatoren fr den Entwicklungsstand in einem Lernprozess. Sie zeigen dem Kind selbst und auch den Erwachsenen, was es schon kann, was noch gebt werden muss, wo noch Hilfen notwendig sind, und helfen, die weitere Arbeit zu planen. Darber hinaus knnen Fehler diagnostische Hinweise auf zu initiierende Frdermanahmen sein. (ebd. 20) Nicht das alleinige Feststellen von Fehlern sondern das Hervorheben von Strken und Schwchen soll in die Bewertungen von Lernleistungen einflieen. Es geht um das Darstellen von Entwicklungs- und Lernprozessen- also das Dokumentieren von individuellen Schlerleistungen. Hier sind Schler, Eltern, Pdagogen gleichermaen beteiligt (vgl. ebd. 21). Die Schler lernen, ihren eigenen Lernprozess darzustellen, darber zu sprechen und ihn selbststndig einzuschtzen. Sie sollen den Stand ihrer Lernleistungen kennen und neue Zielstellungen formulieren. In der hier vorliegenden Empfehlung zur Dokumentation von Schlerleistungen im zieldifferenten Unterricht werden ausgehend von den Lernentwicklungsgesprchen erste ausgewhlte Dokumentationsmglichkeiten von Schlerleistungen vorgestellt. In alphabetischer Reihenfolge werden - Bildungs- und Lerngeschichten - Leporello - Lernlandkarte - Lernraupe - Lerntagebuch - Portfolio kurz beschrieben und hinsichtlich ihrer Mglichkeiten und Grenzen im zieldifferenten Unterricht betrachtet. Viele Beispiele aus der Praxis schlieen sich an. Mit Literaturhinweisen zu den vorgestellten Dokumentationsmglichkeiten endet jedes Kapitel. Die Empfehlung wurde von Studenten der Grund- und Frderschulpdagogik an der Universitt Erfurt in Seminaren bearbeitet. Sie ist als Arbeitsmaterial zu betrachten, welches jederzeit weiterentwickelt, verndert und ergnzt werden kann. Deshalb sind die Autoren dieser Empfehlung fr alle Anregungen, Hinweise und weiteren Praxisbeispiele sehr dankbar. Die Personenbezeichnungen gelten fr Schlerinnen und Schler sowie fr Pdagoginnen und Pdagogen. Literaturhinweise Eller, U./ Grimm, W. (2008). Individuelle Lernplne fr Kinder. Grundlagen, Ideen und Verfahren fr die Grundschule. Weinheim und Basel: Beltz Fachgruppe Praxis im GU (2013). Empfehlungen zur didaktisch- methodischen Gestaltung eines zieldifferenten Unterrichts in Grund- und Regelschulen. unter: https://www.uni- erfurt.de/fileadmin/publicdocs/Sonder_Sozialpaedagogik/Anenzephalie/Preisverleihung_Leben_pur/1_AG_DidaktikMethodik.pdf [ Zugriff am 11.02.2015 ]

  • 2 Lernentwicklungsgesprche Im 59a der Thringer Schulordnung wird das Gesprch zur Lernentwicklung verbindlich festgeschrieben. In den Klassenstufen 1 bis 9 finden mindestens einmal im Schuljahr Gesprche zur Lernwicklung statt, an denen Pdagogen, Schler und Eltern gleichermaen beteiligt werden (vgl. TMBWK 2013b). Auf Wunsch knnen auch weitere Personen, wie Erzieher, Fachlehrer etc., eingeladen werden (vgl. TMBWK 2013a). Im Mittelpunkt des Gesprchs stehen die individuelle Lernentwicklung des Schlers bzw. der Schlerin und der Austausch darber. (ebd.) Mit dem Gesprch sollen Eltern einen direkten Einblick in die Lernentwicklung ihres Kindes erhalten und die Mglichkeit zur aktiven Mitwirkung bekommen (ebd.).

    Der Schler soll befhigt werden, eigene Lernprozesse wahrzunehmen und zu reflektieren. Somit wird die Verantwortung fr das eigene Lernen vom Schler bernommen. Ziel ist es, dass der Schler individuelle Lernziele benennen kann. Es werden maximal 3 Lernziele formuliert (ebd.). Im Lernentwicklungsgesprch werden gemeinsam mit allen Beteiligten Manahmen zur Erreichung der genannten Lernziele getroffen. Diese sollen so konkret wie mglich erfolgen, d.h. verantwortliche Personen, Zeit, Raum, Materialien, Inhalte werden ganz konkret benannt und festgeschrieben. Damit ein erfolgreiches Lernentwicklungsgesprch durchgefhrt werden kann, bietet es sich an, verschiedene Mglichkeiten zur Dokumentation von Lernleistungen und Lernprozessen zu kennen und zu nutzen. Je nach Art der Dokumentation knnen die unterschiedlichen Voraussetzungen der Schler beachtet werden. Die Dokumentationsmglichkeiten dienen dem Schler als visualisierte und strukturierte Hilfe, um die eigenen Lernleistungen wahrzunehmen, zu erkennen, zu vergleichen, zu reflektieren und neue Lernziele zu formulieren. Literaturhinweise TMBWK (Hrsg.) (2013a). Elterninformation. Bemerkungen und Gesprche zur Lernentwicklung. Erfurt TMBWK (Hrsg.) (2013b). Thringer Schulordnung. Unter: http://www.thueringen.de/th2/tmbwk/bildung/schulwesen/rechtsgrundlagen/schulordnungen/schulordnung/index.aspx#2 (Zugriff: 17.02.2015)

    http://www.thueringen.de/th2/tmbwk/bildung/schulwesen/rechtsgrundlagen/schulordnungen/schulordnung/index.aspx%232

  • 3 Bildungs- und Lerngeschichten

    3.1 Beschreibung Das Konzept der Bildungs- und Lerngeschichten ist ein Verfahren zur Dokumentation und Beobachtung von Ressourcen und Strken von Kindern bzw. Jugendlichen. Als Grundlage dienen diesem Konzept die learning stories von Margaret Carr. Die Bildungs- und Lerngeschichten fokussieren im Besonderen die individuellen Lernprozesse von Schlern. Ziel dieser Dokumentationsform ist die optimale Frderung eines jeden Schlers durch Beobachtung, Beschreibung, Interpretation und Diskussion des individuellen Lernstandes und der Lernfortschritte. Das Charakteristische bei dieser Dokumentationsform ist, dass sich die Beobachtungen auf Lernprozesse beziehen, die der Schler selbst initiiert. Beobachtungsgegenstand sind demnach alltgliche Aktivitten. Das ressourcenorientierte Verfahren ist fr Schler jeden Alters und in jeder Situation geeignet. Zudem ist das Konzept unabhngig von deren sozialer Herkunft, deren Migrationshintergrund oder einer vorliegenden Beeintrchtigung. Wichtige Bedingung fr die Arbeit mit diesem Konzept ist, insbesondere in Bezug auf Schler mit besonderem Frderbedarf, das Bestehen einer intensiven Beziehung und Bindung zum Schler (vgl. Flmig et al., 2009, S. 17ff.). Der Weg hin zur fertigen Lerngeschichte fhrt ber vier Teilschritte. Im ersten Schritt erfolgt eine offene Beobachtung der Aktivitten des Schlers. Wichtig dabei ist das Vermeiden von Interpretationen und Wertungen. Auf Grundlage der Beobachtungsdokumentation anhand von Beobachtungsbgen (siehe Praxisbeispiel) erfolgt im zweiten Schritt eine Auswertung nach Lerndispositionen, auf welche im Folgenden noch nher eingegangen wird. Im dritten Schritt folgt dann ein Austausch mit Eltern, Kollegen und Schler ber die Beobachtungen. Auf diese Art wird gewhrleistet, dass alle beteiligten Personen die Beobachtungen vervollstndigen oder berichtigen knnen. Basierend auf diesem Austausch knnen nun im letzten Schritt weiterfhrende Manahmen fr die Frderung des Schlers geplant sowie eingeleitet werden. Aus den Informationen der genannten Planungsschritte wird schlielich die Lerngeschichte fr den Schler erstellt und vor- gelesen (vgl. Flmig et al., 2009, S. 22ff.). Wie bereits erwhnt, werden die Beobachtungen nach fnf Lerndispositionen ausgewertet. Diese erklren sich wie folgt:

    Interessiert sein: der Schler wendet sich Personen, Dingen oder Themen aufmerksam zu und setzt sich mit ihnen auseinander

    Engagiert sein: der Schler lsst sich intensiv auf ein Thema ein Standhalten bei Herausforderungen und Schwierigkeiten: der Schler fhrt

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