energievertriebe 2030 - langfassung

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Digital, dezentral, flexibel - Der Kunde im Mittelpunkt

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  • 2 0 3 0

    ENERGIE- VERTRIEBE 2030DIGITAL, DEZENTRAL, FLEXIBEL DER KUNDE IM MITTELPUNKT

  • Inhalt

    Einleitung 03

    2030: Leistung zhlt! Ein Szenario fr den Energievertrieb 04

    1. Der Wandel nimmt Fahrt auf (berblick) 05

    2. Vertriebe als zentrale Akteure im Endkundenmarkt 10

    3. Der Kunde gestaltet den Energiemarkt von morgen 12 4. Neue Produkte sind gefragt 15

    5. Erfolgreich nur mit Wettbewerb 23 Impressum 24

  • Einleitung

    ber 1.000 Stromlieferanten und ca. 900 Gaslie-feranten stehen in Deutschland im Wettbewerb. Sie beschaffen Energie, gestalten attraktive Pro-dukte fr den Endkundenmarkt und sind der An-sprechpartner ihrer Kunden fr alles, was Energie betrifft vom Energiepreis ber Energieeffizienz bis zur Systemdienstleistung. Insgesamt werden 80 Millionen Brger in Deutschland 365 Tage im Jahr zuverlssig mit Energie beliefert.

    Der zuknftige Energieerzeugungsmix mit einem signifikanten Anteil Erneuerbarer Energien wird starke Auswirkungen auf die Abnahmestruktur ha-ben und neue Vertriebsmodelle erfordern. Zudem werden Digitalisierung, demografischer Wandel und das Zusammenwachsen der europischen Energie-mrkte spezifische Verbraucherinteressen immer strker in den Vordergrund rcken.

    Die Gesellschaft hat sich mit der Energiewende hohe Ziele gesetzt. Bisher jedoch wird in der ffentlichen Diskussion die Energiewende vorrangig mit Netzaus-bau und Kraftwerken in Verbindung gebracht. Um die Energiewende erfolgreich zu gestalten, ist jedoch ein ganzheitliches Marktdesign erforderlich. Dabei spielt die Ausgestaltung des Endkundenmarktes eine we-sentliche Rolle, denn die Wertschpfungsstufe Ver-trieb hat die Mittlerfunktion zum Verbraucher. Der Kunde und Verbraucher muss im Mittelpunkt eines jeden Energiekonzeptes stehen.

    Der BDEW hat im Folgenden die Anforderungen der Kunden im Energiemarkt der Zukunft analysiert und die fr Energievertriebe notwendigen Handlungs-schritte aufgezeigt. Ebenso wurden Handlungsemp-fehlungen fr notwendige Anpassungen des Regu-lierungsrahmens durch die Politik erarbeitet.

    3E N E RG I E V E RT R I E B E 2030

  • 2030: Leistung zhlt! Ein Szenario fr den Energievertrieb

    Im Jahr 2030 bilden Erneuerbare Energien einen berwiegenden Bestandteil der Energieversor-gung. Die politische Rahmensetzung hat zu einem sehr intensiven Wettbewerb im Endkun-denmarkt fr Energie gefhrt. Von den Akteuren am Energiemarkt werden in einem groen Um-fang Produkte nachgefragt, die sowohl Service-leistungen als auch ein Energiemanagement zur Preis optimierung beinhalten. Energetische Leis-tung hat energetische Arbeit als preisbildendes Element weitestgehend abgelst.

    Sowohl das intelligente Netz als auch die Energie-erzeugung stellen Kapazitten bereit, die von Grohndlern und Energievertrieben in dyna-mischen Produkten vermarktet werden. Im neu gestalteten Grohandelsmarkt werden daher virtuelle Lastwerke (siehe Seite 10) und Energie-senken ber leistungsbasierte Produkte und Verfgbarkeitsprmien vermarktet. Dynamische Flat rates (kein starrer Flat-Preis, sondern variable Preisfenster) werden dem Kunden von zahlreichen Vertrieben angeboten. Die Vertriebe bndeln de-zentrale Erzeugung, Speicher und Lastverlage-rungen und koordinieren diese zu virtuellen Last-werken, die konventionelle Kraftwerke ersetzen und einen Groteil des Bedarfs an Flexibilitt zum Ausgleich volatiler Erzeugung decken.

    Ein starker Wettbewerb mit vielen Akteuren hat sich entwickelt, in den auch Unternehmen auer-halb der Energiebranche eingetreten sind z. B. aus der Informations- und Kommunikations- oder aus der Automobilbranche. Die Produkt-palette wurde deutlich erweitert. Mittlerweile werden auch Hausautomatisierung und Sicher-heitsbedrfnisse sowie Autarkieanstze bedient. Die preissensiblen Kunden kaufen dynamische Flatrate-Produkte, die in Abhngigkeit vom fl uk-tuierenden Energieangebot das Preisniveau be-stimmen.

    Der Kunde nutzt als Sparfuchs die Mglichkeiten, die ihm diese neuen Produkte bieten. Er stimuliert durch sein aktives Nachfrageverhalten den Wett-bewerb und optimiert den eigenen Energieein-kauf und den Verkauf der selbst erzeugten Ener-gien je nach Marktsituation. Kunden kaufen Gerte, die den bentigten Energiebezug bereits beinhalten. Der Kunde nutzt die Dienstleistungen der Anbieter von Energieeffi zienz- und Energie-management-Systemen, die ihm eine einfache Handhabung komplexer Vorgnge ermglichen.

    4 E N E RG I E V E RT R I E B E 2030

  • 1 Smart-Home-Systeme und industrielle Energiemanagementsysteme

    1. Der Wandel nimmt Fahrt auf

    berblick: Energiewirtschaft und Energiewende Digitalisierung und dezentrale Energien als Treiber

    Die Energiewende schreitet weiter voran. Mittler-weile hat die installierte Leistung an fl uktuierenden Erneuerbaren Energien die Jahreshchstlast mit rund 80 GW berschritten. Weitere Erzeugungs-leistungen werden zugebaut, und mit der absehba-ren strkeren Marktdurchdringung von Elektro-fahrzeugen, dezentralen Batteriespeichern und Automatisierungssystemen1 wird das energiewirt-schaftliche System sich grundstzlich verndern. Zustzlich zur Vorhaltung von Reservekraftwerken oder der Investition in zentrale Speicher werden neue Anstze volkswirtschaftlich sinnvolle Lsun-gen hervorbringen.

    Das werden vor allem Manahmen zur gezielten Be-einfl ussung der Last Demand Response (DR) und Demand Side Management (DSM) bzw. fr eine gezielte und optimierte Verknpfung von Erzeu-gung und Nachfrage sein. Ziel ist es, die Einspeisung aus Wind und Photovoltaik zentral und dezentral - besser in das Energiesystem integrieren zu knnen. So wird es mglich, auch das vernderte Kunden-verhalten aufgrund von Verwendung dezentraler Batteriespeicher, Automatisierungssystemen und dezentraler Energieproduktion in das Gesamtsys-tem zu integrieren.

    Dezentrale Erzeugung und SpeicherungNeue Lsungen sind dringend notwendig, da - auch ohne Zutun der Energieversorger (Lieferanten und Netzbetreiber) sowie bedingt durch Verfgbarkeit und sinkende Preise - technische Verfahren fr die dezentrale Erzeugung und Speicherung bis hin zur (Teil-)Autarkie bei Kunden immer mehr Anwendung fi nden werden.

    Dieser Trend erfordert neue Steuerungsmodelle, die die Anforderungen dezentraler Erzeuger und Spei-cher, der Netzbetreiber und des Handelsmarktes bndeln. Das kann nur ber intelligente Wettbe-werbsprodukte erfolgen, die die Bedrfnisse aller Marktbeteiligten befriedigen.

    Zusammenfassung

    Mit dem stetig steigenden Anteil fl uktuierender Erneuerbarer Energien erfolgt ein Paradigmen-wechsel von der nachfrageorientierten Erzeu-gung zum angebotsorientierten Verbrauch. Die bisher noch gltigen preissetzenden Elemente im Energiemarkt wie Rohstoffkosten, Merit-Order und Arbeit verlieren an Bedeutung.

    Dies wird sich im Endkundenmarkt in einer strkeren Bercksichtigung der Leistung und einem stndig sinkenden Anteil des Faktors Ar-beit bei der Preisbildung niederschlagen. Last-bereitstellung, Flexibilitt und Strukturierung des Energiebezuges sind zuknftig preisset-zende Elemente im Endkundenmarkt.

    Dezentrale Lsungen werden sich im End-kundenmarkt immer strker durchsetzen. Die Bndelung von dezentralen Lasten muss ber intelligente Produkte im Wettbewerb erfolgen.

    5E N E RG I E V E RT R I E B E 2030

  • Energiewende und Gesellschaft

    Der Strukturwandel in der Energiewirtschaft wird von der Gesellschaft aktiv begleitet. Der Ausbau der Energienetze, die Erzeugungs- und Bezugsarten von Energie sowie die Preisgestaltung sind Themen intensiver ffentlicher Diskussionen.

    Die Vernderungen der Energiewirtschaft wirken sich jedoch verzgert auf die Endkundenmrkte aus. Fr die Mehrheit der Haushaltskunden besitzt der Energiebezug derzeit lediglich die Aspekte der Herkunft (kostrom) und des allgemeinen Prei-ses. Energieeinsparung spielt eine Rolle und bei be-stimmten Kundengruppen die zustzliche Eigen- erzeugung.

    Um die knftigen Herausforderungen der Energie-wende zu bewltigen, ist eine vernderte und vor allem bewusstere Wahrnehmung des Energiege-brauchs notwendig. Dies betrifft hauptschlich die bisherige Sichtweise, dass Energie jederzeit und ohne Verhaltensnderung beim Verbrauch auch knftig zu einem konstanten Preis zur Verfgung steht. Industriekunden befassen sich intensiver mit dieser Thematik: Lastverlagerung und Konzepte, die die erforderliche Maximallast reduzieren, sind hier bereits weiter verbreitet.

    Produkte und Kunden verndern sichDie Rolle des Kunden und Verbrauchers wandelt sich vom Konsumenten zum aktiven Player im Ener-giesystem. Das reine Commodity-Produkt Energie wird zudem mehr und mehr um Dienstleistungs-elemente ergnzt oder ganz durch diese ersetzt. Digitalisierung, Individualisierung der Produkte und zustzliche Komfortelemente werden wesentliche Bestandteile der Vertriebsprodukte sein. Neue An-wendungen (Selbstversorgung, Smart Home, Elek-tromobilitt etc.) werden den Markt prgen und Auswirkungen auf das gesamte Energiesystem und damit fr alle haben.

    Neben den Auswirkungen auf das Energiesystem sind mgliche Umverteilungseffekte zu beachten: Kunden, die intelligente Energiesysteme nutzen und damit einen aktiven Beitrag zum Umbau des

    Energiesystems leisten knnen, werden von diesen Entwicklungen profitieren. Kunden, die aufgrund infrastruktureller Gegebenheiten (z. B. Mieter in Ballungsrumen) oder wegen fehlender finanzieller Mittel fr Investitionen diese Mglichkeiten nicht haben, drfen jedoch nicht berproportional belas-tet werden.

    Darum sind sozialpolitische Lsungen zu suchen, die den Kunden, die keine aktive Rolle im Energiesystem einnehmen knnen, einen bezahlbaren Energie- bezug ermglichen. Fr finanziell schwache Kunden sollten grundstzlich angemessene Hilfestellungen im Sozialrecht verankert werden.

    Neue Anforderungen offen kommunizierenBasis fr diese Vernderungen ist die Akzeptanz