input: evidenzbasierung und evaluation in der ... input: evidenzbasierung und evaluation in der...

Download Input: Evidenzbasierung und Evaluation in der ... Input: Evidenzbasierung und Evaluation in der Gesundheitsfأ¶rderung

Post on 15-Jun-2020

0 views

Category:

Documents

0 download

Embed Size (px)

TRANSCRIPT

  • Elkeles 2009 1

    Input: Evidenzbasierung und Evaluation in der Gesundheitsförderung

    Prof. Dr. Thomas Elkeles

    Einführungsvortrag im Workshop 12:

    „Evidenzbasierung und Evaluation in der Gesundheitsförderung - ein

    kritischer Blick auf konkrete Beispiele aus der GUT DRAUF

    Evaluationspraxis“

    GUT DRAUF Jahrestagung in Hennef, 18. - 20. März 2009

  • Elkeles 2009 2

    • Was ist Evaluation?

    • Was ist Evidenzbasierung ?

    • Was ist Gesundheitsförderung?

    inflationäre, unterschiedliche Begriffsverwendung

    ! Vielfalt von Missverständnissen

  • Elkeles 2009 3

    Was ist Evaluation?

    • Nicht mit Evaluation soll hier gemeint sein, dass Sachverhalte – wie in der Alltagserfahrung – einfach nur nach jeweils unterschiedlichen Einschätzungen und Kriterien „bewertet“ werden.

    • Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wird von Evaluation gesprochen, wenn spezifische Sachverhalte in einem objektivierten Verfahren und nach explizit auf den Sachverhalt bezogenen und begründeten Kriterien durch Personen bewertet werden, die zu dieser Bewertung in besonderer Weise befähigt sind (Kromrey, 2001, S. 108).

  • Elkeles 2009 4

    Was ist Evaluation?

    • Als empirisch-wissenschaftliches Verfahren ist Evaluation eine methodisch kontrollierte, verwertungs- und bewertungsorientierte Form des Sammelns und Bewertens von Informationen

    • Ihr Besonderes liegt im Vergleich zu gewönlicher angewandter (Sozial)Forschung weniger in der Methode, als vielmehr in dem spezifischen Erkenntnis- und Verwertungsinteresse

    • Empirisch-wissenschaftliche Forschung wird zur Evaluation, wenn sie einer intersubjektiv geltenden (normativen) Bewertung eines Sachverhaltes dient, die in einem objektivierten Verfahren und anhand explizit gemachter Kriterien und Maßstäbe vorgenommen wird

    • In diesem Sinne sei mit Rossi et al. (1988, S. 3) Evaluation verstanden als: „systematische Anwendung sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden zur Beurteilung der Konzeption, Ausgestaltung, Umsetzung und des Nutzens sozialer Interventionsprogramme“

  • Elkeles 2009 5

    Mit Programmen sind komplexe Handlungsmodelle gemeint, die (1) auf die Erreichung bestimmter Ziele gerichtet sind, (2) auf bestimmten, den Zielen angemessen erscheinenden Handlungsstrategien beruhen und für deren Abwicklung (3) finanzielle, personelle und sonstige Ressourcen bereitgestellt werden (Hellstern/Wollmann, 1984, S. 7).

    Großteil der Literatur erscheint unter dem Begriff Programmevaluation

    Definition Programmevaluation: (Wittmann 1985, S. 23f.)

    Prozess der Durchführung rational- und vernunftgeleiteter Beurteilungen eines Programms hinsichtlich Aufwand, Effektivität, Wirksamkeit und Angemessenheit“

    Spezielles Augenmerk auf: - Zugänglichkeit, Annehmbarkeit, Reichhaltigkeit - Anwendungsbreite, Generalisierbarkeit - Integration der Dienstleistungen, Wissensstand - Kontinuität und Kosten der Dienstleistungen (...)

  • Elkeles 2009 6

    3) Abschätzung von Programmwirkungen und Programmnutzen – Ergebnis-, Nutzenevaluierung Beispiel: Vergleich zweier Behandlungsmethoden

    nach: Rossi et al. (1988): Programm-Evaluation. Einführung in die Methoden angewandter Sozialforschung. Stuttgart, S. 11

    1) Analysen zur Programmentwicklung incl. Konzeptualisierung und Ausarbeitung einer geplanten Intervention Beispiel: Entwicklung und Implementierung eines psychosozialen Dienstes für onkologische Patienten

    2) Begleitforschung oder Monitoring als laufende Überwachung der Umsetzung und Überwachung eines Programms - Prozeßevaluierung Beispiel: Dokumentation und Auswertung eines Modellversuchs zur Einführung einer schulischen Fördermaßnahme für behinderte Kinder

    Systematik von Rossi, Freeman und Hofmann (1988) 3 Haupttypen von Evaluationsstudien:

  • Elkeles 2009 7

    Beispiele für Qualitätsmanagement

    - Kriterien BZgA „Models of Good Practice“

    - Qualitätskriterien für Gesundheitsförderungs - Programme

    (Koskinen-Ollonqvist 1999, Appendix)

  • Elkeles 2009 8

    Kriterien BZgA „Models of Good Practice“

    1. Konzeption, Selbstverständnis

    a) es liegt eine Konzeption vor ! klarer Zusammenhang zu Gesundheits- förderung und/oder Prävention sowie eine hierauf basierende Zielformulierung

    b) es liegt eine Konzeption vor, in der die Verminderung der gesundheitlichen Ungleichheit explizit und systematisch angestrebt wird

    Beispiele für Qualitätsmanagement

  • Elkeles 2009 9

    Kriterien BZgA „Models of Good Practice“

    2. Zielgruppe

    - Zielgruppe der sozial Benachteiligten ist präzise eingegrenzt und gehört zu einer bzw. mehrerer sozialer Gruppen, welche im Erhebungsinstrument für die Datenbank aufgelistet sind

    - es ist zu prüfen, inwieweit diese Zielgruppe auch tatsächlich erreicht wird

    3. Partizipation

    - es besteht ein hoher Grad an Beteiligungsmöglichkeiten für die Zielgruppe sozial Benachteiligter

    4. Dokumentation und Evaluation

    - Dokumentation und Evaluation werden im Projekt zur Qualitätsentwicklung eingesetzt

    Beispiele für Qualitätsmanagement

  • Elkeles 2009 10

    Beispiele für Qualitätsmanagement

    Qualitätskriterien für Gesundheitsförderungs - Programme (Koskinen-Ollonqvist 1999, Appendix )

    Criteria for Quality Health Promotion Progammes:

    1. Frame criteria: - The project aims to use the participant`s own ressources. - The need for the project has been justified.

    2. Structural criteria: - The traget group(s)/beneficiaries of the project have been specified.

    - The expectations of the project participants have been taken into account.

    3. Process criteria: - The actions corresponding with the aim(s) of the project have been specified.

    - Tasks have been divided between project participants and specified.

  • Elkeles 2009 11

    Beispiele für Qualitätsmanagement

    Qualitätskriterien für Gesundheitsförderungs - Programme (Koskinen-Ollonqvist 1999, Appendix )

    Criteria for Quality Health Promotion Progammes:

    4. Outcome criteria: - The expected output of the project processes ist started in writing.

    - The predicted outcome of the project ist started in writing.

    5. Application criteria: - The integration of the project application(s) into the ongoing activities of the operating enviroment has benn planned.

  • Elkeles 2009 12

    1. Zwischenfazit:

    Qualitätskriterien beantworten die Frage:

    „Tut man das (gut), was man tun soll/will?“

    Nicht beantwortet:

    „Wie/wodurch wird Qualität entwickelt?“

    Abgrenzung Qualitätssicherung/Qualitätsmanagement - Evaluation

    QS/QM: (kontinuierliche) Optimierung der Qualität des Dienstleistungs- geschehens bzw. des Ablaufs eines Programms

    Evaluation: nachprüfbares Verfahren des Bewertens

  • Elkeles 2009 13

    Wissenschaftliche Begleitforschung:

    Sonder- bzw. Grenzfall der Evaluation

    Simultane Durchführung und aktive Involvierung der

    Begleitforschung in das Vorhaben selbst

    Dabei: Beratung der durchführenden Institutionen und

    Unterstützung des Trägers oder Förderers nicht nur bei

    Entscheidungsfindung, sondern auch beim Prozeß der Diffusion eines

    Modells in die Regelversorgung

    Quelle: Schwartz et al. (1998), in: Hurrelmann/Laaser, Handbuch der Gesundheitswissenschaften. Weinheim, S. 824

  • Elkeles 2009 14

    Evaluation“ und „wissenschaftliche Begleitung“ gehen im Sprachgebrauch häufig ineinander über

    Begleitforschung und Evaluation beziehen sich in ihrer Geltungsbegründung aber, wie Kromrey (2007) argumentiert, auf sehr unterschiedliche Standards:

    Aussagen sozialwissenschaftlicher Begleitforschung legitimieren sich durch methodisch kontrollierte, intersubjektiv nachprüfbare Verfahren der Informationsgewinnung sowie durch Einhaltung der methodologischen Standards empirischer Wissenschaft.

    Für die im Ergebnis von Evaluationen gefällten Wertaussagen gibt es dagegen keine allgemein anerkannte Begründungslogik. Mit der Geltungsbegründung von Bewertungsaussagen sind Instanzen zu betrauen, die sich durch Überparteilichkeit, Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Bewertenden auszeichnen; ihre Aussagen können etwa durch Einhaltung der Standards für Evaluationen (DeGEval 2008) Legitimität gewinnen (Kromrey 2007: 133f).

  • Elkeles 2009 15

    Es gibt unterschiedliche Begriffe und Formen von Evidenz. Welche Begriffe, Formen und sich daraus ergebende Methoden des Belegs oder Nachweises angemessen sind, hängt vom jeweiligen wissenschaftlichen Gegenstand ab.

    Evidenzbasierung (in Prävention und Gesundheitsförderung?):

    Definition, Begriff, Anwendungsgebiet

    These 1

  • Elkeles 2009 16

    Evidenz

    [lateinisch »Augenfälligkeit«] die, Philosophie:

    unmittelbare, mit besonderem Wahrheitsanspruch auftretende,

    intuitive Einsicht.

    Bei Platon liegt Evidenz vor, wenn es sich um die Ideenschau handelt;

    bei R. Descartes, wenn eine Vorstellung klar und deutlich erfasst wird;

    in E. Husserls Phänomenologie im Fall der Schau eines objektiven

    Wesenssachverhalts.

    © 2002 Bibliographisches Institut & F.!A. Brockhaus

Recommended

View more >