kafka parabeln

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Kafka Parabeln berblick ber die zusammengestellten Materialien1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. Merkmale der Parabel (Kurzfassung) Merkmale der Parabel (Langfassung) Definition Parabel Der Aufbruch (Text) Kleine Fabel (Text und Leitfragen) Die Bume (Text) Seite 2 Seite 3 Seite 5 Seite 6 Seite 7 Seite 8

Die Bume - Ein marxistischer Interpretationsansatz Seite 9 Heimkehr (Text) Heimkehr (Detailanalyse) Seite 10 Seite 11 Seite 17

10. Zu Heimkehr und Der Aufbruch Fremdheitserfahrungen 11. Vor dem Gesetz (Text) 12. Vergleich der Figuren: Josef K. (Der Prozess") Der Mann vom Lande (Vor dem Gesetz") 13. Paralleltexte von Kunert 14. Gleichnis vom verlorenen Sohn Links zu Kafka jolifanto /Kafka ZUM -Kafka

Seite 20 Seite 21

Seite 22 Seite 25

Merkmale der Parabel (Kurzfassung)Vom Griechischen "parabole"= Gleichnis, Vergleichung Lehrhafte Erzhlung, die eine allgemeine (sittliche) Wahrheit oder Erkenntnis durch einen analogen Vergleich aus einem anderen Vorstellungsbereich erhellt (Analogieschluss), der nicht ein in allen Einzelheiten unmittelbar bereinstimmendes Beispiel gibt wie die Fabel, sondern nur in einem Vergleichspunkt mit dem Objekt bereinstimmt, und die im Gegensatz zum Gleichnis keine direkte Verknpfung (so - wie) mit dem zu erluternden Objekt erhlt.

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PARABEL - Die Parabel - eine zweifelhafte Offenbarung?"Parabola, das Lehrgedicht / erzhlet eine kurz Geschichte / welche ihre Deutung hat / und auch geschehen knnte. Die Fabel aber erzhlt vielmals / was nicht geschehen kann und macht nicht nur die Tiere / sondern auch die Steine reden. Die lassen wir den alten Weibern / jene aber den verstndigeren Leuten." So definiert der Barockdichter Georg Philipp Harsdrffer die kleine Kunstform, an der sich immer wieder groe Autoren versucht haben. Der Poetiklehrer Gottsched beschreibt die Parabel ganz nchtern so: "... eine unter gewissen Umstnden mgliche, aber nicht wirklich vorgefallene Begebenheit, darunter eine moralische Wahrheit verborgen liegt." Nun, wem da nicht die Lust zum Lesen vergeht! Da halten wir uns doch lieber an Johann Gottfried Herder: "... sie ist ein erhabenes, aber dunkles Bild, ein Gtterspruch, den ein rtselhafter Parallelismus gleichsam nur von ferne hertnet ..." Das klingt ein bisschen rtselhaft ... Versuchen wir es mit einer Erklrung aus dem 20. Jahrhundert! Sie stammt von Andre Jolles: "Die Parabel stellt zwar die Frage, aber sie gibt keine Antwort. Sie legt uns die Pflicht der Entscheidung auf, aber die Entscheidung selbst enthlt sie nicht." Das ist doch eine echte Hilfe, oder nicht? Die Parabel gehrt wie die Fabel zu den Ausprgungen bildlicher Erzhlrede (vgl. Sprichwort, Gleichnis, Allegorie). Auch die Parabel verfolgt den Zweck, eine im Bild veranschaulichte Erkenntnis (Bildebene) mit Hilfe eines Analogieschlusses auf die Erkenntnis selbst zu bertragen (Sinnebene). Insofern besteht zwischen Fabel und Parabel eine so weitgehende bereinstimmung, dass eine prinzipielle Trennung gar nicht mglich ist. Ein Unterschied besteht darin, dass die Fabel in erster Linie im Bereich von Tieren, Pflanzen, Dingen spielt. Sie muss deshalb anthropomorphisieren und die Zge ihrer Figuren "knstlich" stilisieren, whrend die Parabelhandlung Beispiel und Bild vorwiegend zwischenmenschlichen Verhltnissen entnimmt. Die Fabel verlagert den Problembereich nach "auen". Sie ist schematischer im Aufbau und in der Wahl des Kodes und ist deshalb auch in der Deutung die einfachere Form. Die Parabel ist demgegenber flexibler. Die Beziehungen zwischen Bildund Sinnebene sind differenzierter und offener. Fr den Leser ergeben sich oft verschiedene Dechiffrierungsmglichkeiten. Denn whrend die Fabel als Ganzes Zug um Zug bertragen werden kann, gilt dies fr die Parabel nur punktuell. Die Kunst der indirekten Belehrung fhrt hier ber eine relativ selbstndige Erzhlung, die ohne Erklrung, ohne ausdrcklichen Bezug, vieldeutig bleibt. Die Vielschichtigkeit des gemeinten Sinns gilt besonders fr die moderne Parabel. So fhren Kafkas parabolische Erzhlungen jedes Mal in Bereiche, die durch berkommene Wahrheiten kaum erschlossen sind. Der Leser wird in seinem Selbst- und Weltverstndnis nachhaltig verunsichert. Auch in Brechts Parabeln wird keine positive "Lehre" vermittelt, sondern es wird auf dem Weg ber das Beispiel den gelufigen Denkweisen gegenber 3

zum Widerspruch aufgefordert. Der Leser soll lernen, eine kritische Haltung einzunehmen, darauf kann dann die von Brecht intendierte revolutionre Aktivierung aufbauen. Der Unterschied zwischen Fabel und Parabel mag sich fr Schler darauf beschrnken, dass fr die beiden Formen verschiedene Figuren charakteristisch sind. Im Grunde gelten alle fr die Fabel angestellten didaktischen berlegungen auch hier. Insofern werden die Parabel und die parabolische Erzhlung am besten durch eine grndliche Fabelbehandlung vorbereitet. Die Schler werden dann mehr und mehr erkennen, dass die bildhafte Veranschaulichung ein Grundprinzip allen literarischen Gestaltens ist. Da die Parabel vergleicht, sind es auch hier vor allem die Bezugspunkte zwischen den verglichenen Bereichen, die sich der kritischen Reflexion der Schler anbieten. Sie mssen davon ausgehen, dass die Parabelhandlung Demonstrationsmaterial darstellt und keine isolierte Geschichte ist, auch wenn sie das gelegentlich zu sein scheint. Die Parabel ist - wie die Fabel - ein rhetorisches Mittel des Erzhlers, der das Gemeinte mglichst schlagend zum Ausdruck bringen will. Er greift deshalb zur Verkleidung durch die Parabel, weil er sich davon ein Hchstma an Wirkung verspricht. Dass sich auch demagogische Absicht hinter dieser Form verbergen kann, zeigt das Beispiel vom Aufstand der Glieder gegen den Magen. Um so mehr sind die Schler aufgefordert, der Beweiskraft der Parabel nicht ohne weiteres zu vertrauen, sondern die Argumentation kritisch zu berprfen. Besonders die modernen Parabeln sind ohne intensive Auseinandersetzung nicht zu bewltigen. (aus: Literaturunterricht im 9. Schuljahr, Lehrerband zum Lesebuch C9; Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1972

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Was ist eine Parabel?Wir unterscheiden: Gleichnisse: Gleichnis vom Smann Parabeln: Der verlorene Sohn Beispielerzhlungen: Der barmherzige Samariter Der eigentliche Sinn dieser Aussagen besteht in der Anwendung eines Falles auf einen hnlichen Fall: Geh hin und tu desgleichen! Da der Begriff der Parabel sich im Laufe der Geschichte verndert und weiterentwickelt hat, ist eine eindeutige Bestimmung schwierig. "Zur Parabelstruktur aber gehren folgende Elemente: die bndige Erzhlung als Beweisstck der Rede; die Beschrnkung auf einen Fall (Kasus), der hnliche Flle erhellen kann; die Zuspitzung auf ein Wort oder Zeichen (Apophthegma oder Emblem)." (Clemens Heselhaus)

Im Hinblick auf die Beispiele besagt das:1. Sie enthalten Elemente der realen, sinnlich-wahrnehmbaren Welt. 2. Die klar gegliederte Erzhlung eines Vorgangs auf dem Boden der Realitt weist aber schon hinaus auf eine erfundene Realitt. (Beispiele?) 3. Schlielich wird der bergang von der Realitt zur Irrealitt, zur NichtWirklichkeit sichtbar. (Bringe den Nachweis aus den Texten!) 4. Der Leer wird einem bestimmten Fall gegenbergestellt, der aber auf einen allgemeingltigen Fall hinweist. Das drckt sich auch in der Struktur und Form des Sprechens aus. (Beispiele?) 5. zunchst wird nur die vordergrndige Welt sichtbar, aber dahinter erscheint das menschliche Dasein in seinen sozialen, politischen, wirtschaftlichen, religisen Bezgen. (Beispiele?) 6. Je nach Charakter, Temperament, Zeitumstnden und Umwelt des Autors hat jede Parabel einen anderen Akzent. Wo liegt er bei diesen Parabeln? 7. Die Parabel ist so angelegt, dass sie den Leser und Hrer nicht aus dem Nachdenken entlsst. Aus: Hirschenauer, Verstehen und Gestalten 5.Oldenbourg, M 1976

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Franz Kafka:

Der AufbruchIch befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener

verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hrte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeute. Er wusste nichts und hatte nichts gehrt. Beim Tore hielt er mich auf und fragte: "Wohin reitest du, Herr?", "Ich wei es nicht", sagte ich, "nur weg von hier, nur weg von hier. Immerfort weg von hier, nur so kann ich mein Ziel erreichen." "Du kennst also dein Ziel?", fragte er. "Ja", antwortete ich, "ich sagte es doch: 'Weg-von-hier', das ist mein Ziel." "du hast keinen Essvorrat mit", sagte er. "Ich brauche keinen", sagte ich, "die Reise ist so lang, dass ich verhungern muss, wenn ich auf dem Weg nichts bekomme. Kein Essvorrat kann mich retten. Es ist ja zum Glck eine wahrhaft ungeheure Reise."

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Kafka: Kleine Fabel

Ach, sagte die Maus, die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glcklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe. - Du musst nur die Laufrichtung ndern, sagte die Katze und fra sie. Mgliche Leitfragen zur Erschlieung des Textes: Warum die Angst, als die Welt so breit war und das Glcksgefhl, als endlich rechts und links in der Ferne Mauern auftauchten? Was symbolisieren die Breite und die Mauern? Bewegen sich die Mauern wirklich, wie es der Maus scheint? Wann kommt der Umschwung vom Laufen der Maus und dem Eilen der Mauern? Wie kann es zu diesem Umschwung kommen? Woher kommt die Katze, wann taucht sie (evtl. bereits vorher auerhalb der Wahrnehmung der Maus) auf? Wer ist die Maus? Wer die Katze? Gibt es einen Ausweg, wenn ja: Wann und worin besteht er?

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Franz Kafka: Die Bume

Denn wir sind wie Baumstmme im Schnee. Scheinbar liegen sie glatt auf, und mit kleinem Ansto sollte man sie wegschieben knnen. Nein, das kann man nicht, denn sie sind fest mit dem Boden verbunden. Aber sieh, sogar

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