vortrag: "pflanzenschutzmittel - fakten statt hysterie", dr. albert bergmann (ages)

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  • 1. sterreichische Agentur fr Gesundheit und Ernhrungssicherheit GmbHwww.ages.at Pflanzenschutzmittel Fakten statt Hysterie Gefahr, Risiko oder Sicherheit Dr. Albert Bergmann Institut fr Pflanzenschutzmittel

2. www.ages.at 2 Zusammenfassung 1. Ziel: Anwendung von Pflanzenschutzmitteln darf keine schdlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen (Landwirte, Konsumenten, Arbeiter, ) oder von Tieren, noch auf das Grundwasser haben 2. Ziel: Anwendung von Pflanzenschutzmitteln darf zu keinen unannehmbaren Auswirkungen auf die Umwelt fhren 3. Pflanzenschutzmittel und ihre Wirkstoffe zhlen aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen und Studien zu den bestuntersuchten Substanzen 4. Pflanzenschutzmittel unterliegen daher einem aufwndigen und umfangreichen Zulassungsverfahren 5. Die auf diesen Untersuchungen basierenden Risikobewertungen unter Einbau und Bercksichtigung von Sicherheitsstufen stellen die oben genannten Ziele sicher 3. www.ages.at Gefahr Risiko - Sicherheit Wo ist der Unterschied?! 3 Gefahr Die Art und Weise, wie etwas oder eine Situation schaden kann Risiko Die Wahrscheinlichkeit, dass aus Gefahr tatschlich ein Schaden entstehen kann; erst Gefahr und die Exposition gegenber derselben ergeben ein Risiko Sicherheit Freiheit von unvertretbarem Risiko (IEC 61508*) Manahmen zur Verhinderung oder Reduktion von Risiko fhrt zu relativer Sicherheit * Norm der international electrotechnical Commission: Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener elektrischer/elektronischer/programmierbarer elektronischer Systeme. 4. www.ages.at Gefahr - Risiko - Sicherheit 4 Gefahr Risiko ja vernachlssigbar Gefahr ja Risiko hoch Im Jahr 2012 gab es in sterreich 40.831 Straenverkehrsunflle 50.895 Verletzte 531 Tote (Quelle: Statistik Austria) Sicherheit sehr hoch Sicherheit ???????? 5. www.ages.at Risikowahrnehmung Schtzungen der WHO zufolge sind in Europa 28 Prozent der ischmischen Herzerkrankungen 18 Prozent der Krebserkrankungen des Verdauungstraktes 18 Prozent der Schlaganflle auf einen zu geringen Obst und Gemseverzehr zurckzufhren. >70.000 Menschen in Deutschland sterben an Krebserkrankungen, die durch ungesunde Ernhrungsgewohnheiten verursacht werden (zu viel Fett, zu viel Fleisch, zu viel Zucker, zu viel) aber > 70 % aller Deutschen frchten sich vor Pestizidrckstnden (O.Renn, 2014) 5 Die Risiken, die Menschen ngstigen und empren, sind nicht unbedingt die Risiken, an denen sie (statistisch gesehen) am hufigsten sterben (Schtz und Peters, 2002) 6. www.ages.at Risikowahrnehmung Einschtzung der persnlichen Risikofaktoren in sterreich Besorgnis in Bezug auf Risken im Ernhrungsbereich 6 (Eurobarometer 2010) 0 10 20 30 40 50 60 70 Nanopartikel in LM Allergische Reaktion auf LM od. Getrnke Keine gesunde ausgewogene Ernhrung zu haben Neue Viren (Vogelgrippe) Gewichtszunahme Ernhrungsbedingte Erkrankungen Materialien, die mit LM in Kontakt kommen Qualitt und Frische von LM Lebensmittelvergiftung (Salmonellen, Listerien) Giftstoffe (Quecksilber-Fisch, Dioxin Schweinefleisch) Zusatzstoffe (Farben, Konservierungsmittel, usw.) Rckstnde in Fleisch (Antibiotika, Hormone) Gentechnisch vernderte Organismen Pestizidrckstnde % 7. www.ages.at Zugelassene PSM in sterreich Chemikalienrechtliche Einstufung 7 Keine; 302 N; 596 Xi; 178 Xn; 318 T; 16 T+; 12 980 zugelassene PSM (April 2014) keine Einstufung N Umweltgefhrlich Xi Reizend Xn Gesundheitsschdlich T Giftig T+ Sehr giftig 8. www.ages.at Zulassung eines Pflanzenschutzmittels 3-stufiges Verfahren 1. Stufe: Genehmigung des Wirkstoffes erfolgt auf EU-Ebene in harmonisierter Vorgehensweise 2. Stufe: Bewertung des Pflanzenschutzmittels erfolgt auf zonaler Ebene 3. Stufe: die Zulassung des Pflanzenschutzmittels erfolgt auf nationaler Ebene unter Bercksichtigung spezifischer nationaler Gegebenheiten 8 9. www.ages.at Zulassung eines Pflanzen- schutzmittels 1. Schritt 9 Wirkstoffbewertung erfolgt auf EU-Ebene Einstufung und Kennzeichnung entsprechend CLP-Verordnung (Mitgliedslnder + ECHA + COM) Risikobewertung des Wirkstoffes entsprechend der PSM-Verordnung (Mitgliedslnder + EFSA + COM) Physikal.chem. Parameter Analysenmethoden Toxikologie einschl. Ableitung gesundheitsbezogener Referenzwerte Rckstandsbewertung einschl. Ableitung gesetzlicher Hchstwerte Umweltverhalten; Schutz von Boden und Wssern kotoxikologie; Schutz von Bienen, Fischen, Vgeln, Festsetzung von Hchstwerten in Lebens- und Futtermitteln (Mitgliedslnder + EFSA + COM) 10. www.ages.at Zulassung eines Pflanzen- schutzmittels - 2. Schritt 10 PSM-Bewertung erfolgt auf Zonen-Ebene Risikobewertung des Prparates entsprechend der PSM-Verordnung fr die in der Zone beantragten Indikationen (durch zonale Mitgliedslnder) Physikal.chem. Parameter des PSM (z.B. Haltbarkeit) Toxikologie des PSM (Anwenderschutz) Rckstandsbewertung (Einhaltung der gesetzlichen Hchstwerte in den beantragten Kulturen) Umweltverhalten und kotoxikologie; Schutz von Boden und Wssern sowie von Bienen, Fischen, Vgeln, fr die vorgesehenen Indikationen bzw. Kulturen Wirksamkeit, Kulturvertrglichkeit, Resistenzproblematik 11. www.ages.at Zulassung eines Pflanzen- schutzmittels - 3. Schritt 11 PSM-Zulassung erfolgt auf nationaler Ebene Einstufung und Kennzeichnung entsprechend CLP-Verordnung (nationale Zulassung mit zustzlichen sterreich- spezifischen Auflagen) Risikobewertung des Prparates entsprechend der PSM-Verordnung (sterreich) Wirksamkeit,Kulturvertrglichkeit und Resistenzproblematk unter besonderer Bercksichtigung sterreichischer Gegebenheiten Umweltverhalten und kotoxikologie; Schutz von Boden und Wssern sowie von Bienen, Fischen, Vgeln, fr die vorgesehenen Indikationen bzw. Kulturen unter besonderer Bercksichtigung sterreichischer Gegebenheiten 12. www.ages.at Risikobewertung Pflanzenschutzmittel/Wirkstoff Anhand gesetzlich vorgeschriebener exakt definierter richtlinienkonformer Studien und Informationen Unter Bercksichtigung harmonisierter Bewertungskriterien (Uniform Principles) Unter Einbau von harmonisierten Sicherheitsstufen zur Risikominimierung In transparenter Vorgehensweise www.efsa.europa.eu www.echa.europa.eu 12 13. www.ages.at Anzahl der PSM-Wirkstoffe in der EU ; 1994 - 2014 13 Ausgangslage ca. 1000 WS 1000 500 ca. 670 WS vom Antragsteller nicht weiter verfolgt fr ca. 80 WS negativer Ausgang des Verfahrens zustzlich wurden ca. 200 neue WS genehmigt ca. 250 alte WS wurden genehmigt 14. www.ages.at Umfang der notwendigen Studien am Beispiel Toxikologie - Metabolismusstudien - Untersuchungen zur akuten Giftigkeit (oral, dermal, inhalatorisch) - Untersuchung zur Reizwirkung auf Haut und Augen - Untersuchung zur allergisierende Wirkung - Ftterungsstudien mit kurz-, mittel- und langfristiger (lebenslanger) Verabreichung - Mutagenittsstudien - Untersuchungen auf reproduktionstoxische Effekte - Kanzerogenittsstudien - 14 15. www.ages.at Umfang der fr eine Inverkehrsetzung bentigten toxikologische Daten 15 Pflanzenschutz- mittel EC 1107/2009 Biozide EC 528/2012 Lebensmittel- zusatzstoffe EC 1333/2008 Chemikalien (Reach) EC 1907/2006 Kunststoffe mit LM-Kontakt EU 10/2009 Kosmetika EC 1223/2009 Lebensmittel 16. www.ages.at Sicherheitsstufen am Beispiel gesundheitsbezogene Referenzwerte 16 % Wirkung 90 80 70 60 50 40 20 30 10 0 100 Kontrollbereich Dosis (mg/kg KG) 110-210-3 10-1 1021010-510-6 10-410-7 NOAEL No-observed-adverse-effect-level Mensch Tier SF1 = 10 Unterschiedliche Empfindlichkeiten SF2 = 10 Gesundheitsbezogener Referenzwert 17. www.ages.at 17 Effekte Ein Faktor von (mindestens) 100 liegt zwischen NOAEL und gesundheitsbezogenem Referenzwert Zone 2: Eine berschreitung des Hchstwertes fhrt dazu, dass das Produkt nicht legal auf dem Markt ist, ist aber aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich 1,5 % aus 2.300 LM-Proben Zone 3: Gesundheitsbezogener Referenzwert ist signifikant berschritten; d.h. Beeintrchtigung der Gesundheit des Menschen mglich. Detaillierte Bewertung notwendig Zone 4: NOAEL (aus toxikologischen Studien) ist berschritten; Beeintrchtigung der Gesundheit des Menschen mglich So hoch wie notwendig, so gering wie mglich Hchstwert am Erntegut Gesundheits- bezogener Referenzwert Zone 1: Unterschreitung des Hchstwertes; legales Produkt und sicher fr den Konsumenten. Der berwiegende Anteil der untersuchten Proben fllt in diese Zone. 18. www.ages.at Pflanzenschutzmittelrckstnde in Lebensmitteln (EU- und nationales Monitoring) 18 Lebensmittel- gruppen Proben gesamt Proben mit Rckstnden Proben mit Rckstnden ber dem Hchstgehalt Proben als gesundheits- schdlich beurteilt 2010 Alle untersuchten Lebensmittel ca. 2500 700 (28 %) 50 (1,9 %) 2 2011 Alle untersuchten Lebensmittel 2682 996 (37,1 %) 41 (1,5 %) 4 2012 Alle untersuchten Lebensmittel 2302 1065 (46,3 %) 36 (1,6 %) 1 19. www.ages.at Schlufolgerung Ein strenges Bewertungs- und Zulassungsverfahren ist Garant dafr, dass nur geprfte Pflanzenschutzmittel auf den Markt kommen, die dem Stand des Wissens und der Technik entsprechend - keine schdlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen und Tiere bzw. keine unakztepablen Umweltauswirkungen haben. Erst die korrekte Anwendung von Pflanzenschutzmitteln durch den Landwirt unter Beachtung der guten landwirtschaftlichen Praxis stellt die oben erhobenen Forderungen sicher. 19

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